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Bildungsstrategie statt Lernstrategie: Warum digitale Weiterbildung im Sozialwesen neu gedacht werden muss

Digitale Weiterbildung ist im Sozial- und Gesundheitswesen längst angekommen – zumindest auf dem Papier. Lernplattformen wurden eingeführt, Onlinekurse eingekauft, Präsenzformate digitalisiert.


Und dennoch bleibt häufig das Gefühl, dass der erhoffte Effekt ausbleibt. Mitarbeitende nehmen teil, aber Transfer findet kaum statt.

Führungskräfte unterstützen punktuell, ohne das Lernen wirklich mitzudenken. Die Ursache liegt selten in der Technik.


Sie liegt fast immer in einem fehlenden strategischen Rahmen.

Was vielerorts als „Lernstrategie“ bezeichnet wird, greift zu kurz.

Lernen wird dabei als isolierte Maßnahme verstanden: Welche Kurse brauchen wir? Welche Plattform nutzen wir? Wie viele Schulungen müssen wir anbieten? Eine Bildungsstrategie hingegen setzt deutlich früher an.


Sie beantwortet die Frage, welche Kompetenzen Organisationen im Sozialwesen langfristig benötigen, um handlungsfähig zu bleiben – fachlich, digital und organisatorisch – und wie Lernen systematisch dazu beiträgt, diese Fähigkeiten aufzubauen.


Bildungsstrategie bedeutet, Lernen als Teil der Organisationsentwicklung zu begreifen. Sie verbindet Unternehmensziele, Fachlichkeit, Digitalisierung und Personalentwicklung zu einem kohärenten Gesamtbild. Gerade im Sozialwesen, wo Fachkräftemangel, steigende Dokumentationsanforderungen und digitale Transformationsprozesse parallel stattfinden, ist diese Verzahnung entscheidend.


Ein zentraler Baustein ist dabei die Frage nach Digitalkompetenzen.


Häufig wird darunter noch immer der souveräne Umgang mit Software verstanden.

Doch Digitalkompetenz umfasst deutlich mehr: Informationsbewertung, digitale Kommunikation, ethische Fragestellungen, Selbstorganisation in digitalen Arbeitskontexten oder die Fähigkeit, digitale Werkzeuge sinnvoll in die eigene fachliche Praxis zu integrieren.


Internationale Modelle wie DigComp liefern hier eine gute Orientierung, müssen jedoch für das Sozialwesen kontextualisiert werden.


Genau an dieser Stelle setzt mein eigener Kompetenzatlas an, der gezielt auf Arbeitsrealitäten im Sozial- und Gesundheitsbereich zugeschnitten ist.

Er bildet nicht nur technische Fertigkeiten ab, sondern verknüpft digitale Kompetenzen mit fachlicher Handlungssicherheit und organisationalen Anforderungen.


Ergänzend fließt meine langjährige Projektleitung im Finsoz Verband ein: Über drei Jahre hinweg habe ich gemeinsam mit rund 20 weiteren Expert*innen einen sehr ausführlichen Referenzrahmen für Digitalkompetenzen entwickelt, der in diesem Jahr veröffentlicht wird.


Ziel war es, einen praxisnahen, anschlussfähigen Orientierungsrahmen zu schaffen, der Bildungseinrichtungen und Organisationen konkrete Entscheidungsgrundlagen bietet.


Eine tragfähige Bildungsstrategie übersetzt solche Kompetenzmodelle in konkrete Maßnahmen. Sie definiert Prioritäten, legt Entwicklungsstufen fest und beantwortet die Frage, welche Lernformate für welche Zielgruppen sinnvoll sind.


Vor allem aber schafft sie Klarheit für Führungskräfte. Denn ohne strategische Einbettung bleibt Lernen häufig optional – etwas, das „nebenbei“ passiert, wenn Zeit übrig ist.


Organisationen, die Bildung strategisch denken, berichten von einer deutlich höheren Akzeptanz digitaler Lernangebote. Mitarbeitende verstehen, warum sie lernen sollen, Führungskräfte erkennen ihren eigenen Beitrag und Lernplattformen werden nicht als zusätzliche Belastung wahrgenommen, sondern als Unterstützung im Arbeitsalltag.


Wenn du deine digitale Weiterbildung nicht länger als Sammlung einzelner Maßnahmen, sondern als strategischen Hebel verstehen möchtest, unterstütze ich dich gerne bei der Entwicklung einer passgenauen Bildungsstrategie – von der Kompetenzdefinition bis zur strukturellen Umsetzung.


RESSOURCEN FÜR DICH:


Zum Download

(CC: bitte achte bei Verwendung und Weitergabe auf Namensnennung der Urheberin)


Quellen:

European Commission (2022).

DigComp 2.2: The Digital Competence Framework for Citizens. Luxembourg: Publications Office of the European Union.


Euler, D. & Seufert, S. (2019). Corporate Learning im digitalen Zeitalter. Wiesbaden: Springer Gabler.

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